Der Subtile Körper / Chakra
SEMINAR II
Übungen zur Lenkung des Atems um zu heilen
Chakras ‑ Systeme und Übereinstimmungen
Die Anatomie des jism e latif oder des subtilen Körpers in der Mystik der Inayatiyya.
Wie es verschiedene Sinnesorgane gibt, so gibt es auch die Zentren der inneren Wahrnehmung. Die Zentren kann man mit dem Raum im Innern eines Apfels vergleichen. Er ist ein Akasha, ein Ort, an dem nicht nur Geruch, Berührung, Sehen und Hören wahrgenommen werden, sondern sogar Gedanken und Gefühle eines anderen, wo die Atmosphäre, die Freude und der Unmut der Mitmenschen aufgenommen werden. Und wenn die Wahrnehmung schärfer wird, können sogar Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erkannt werden. Können wir das noch nicht wahrnehmen, so bedeutet das nicht, dass die Erfahrung der eigenen Natur fremd ist, sondern einfach, dass wir für diese Wahrnehmung noch nicht erwacht ist.
Diese Zentren können durch bestimmte Nahrungsmittel und materielle Genüsse blockiert werden. Sie befinden sich an Orten, wie es einige Pflanzen in Berghöhlen tun, wo die Sonne sie nicht erreicht und die Luft sie nicht berührt, so dass es für die Pflanzen schwierig ist, dort zu überleben. Dasselbe gilt für diese subtilen Zentren der Wahrnehmung. Der physische Körper erhält Nahrung aus dem Essen, diese Zentren bleiben jedoch solange ohne Nahrung, bis der feine lebendige Atemstrom auf sie gerichtet wird. Diese feine Substanz, die für das physische Sehen nicht sichtbar ist, wird von den Mystikern als Nur bezeichnet.
Der Körper verlangt nicht nur nach Nahrung, sondern auch nach einem entwickelten Atem, mit anderen Worten nach Schwingung. Diese Schwingung wird ihm durch die Rezitation heiliger Worte vermittelt. Die Klänge und Vokale und die Zusammensetzung der heiligen Worte sind chemisch, diese Art der Chemie wird von den Mystikern Alchemie genannt. Die Zentren sind die Akashas oder Kuppeln unseres Seins, in denen jeder Klang sein Echo hat, und das Echo, das einmal in einer Akasha erzeugt wird, erreicht alle anderen inneren und äußeren Akashas. Die Rezitation eines heiligen Wortes hat also nicht nur eine persönliche Tragweite, sondern sie breitet sich höher und weiter aus, als wir uns das vorstellen können; sogar weiter, als Menschen überhaupt wahrnehmen können.
Insgesamt setzt sich der feinstoffliche Körper aus unzähligen Kanälen (Nadis) zusammen, durch die der subtile Atem fließt. Der Kanal, der sich im Rückenmark (Sushumna) von der Wurzel des Körpers bis zum Scheitel erhebt, ist die zentrale Achse, um die sich alle Seitenkanäle drehen. Direkt daneben verlaufen der linke Seitenkanal (Ida) und der rechte Seitenkanal (Pingala), die an jedem Plexus zusammen und wieder auseinanderlaufen.
„Der Atem kreist durch den Körper, und der Kanal, durch den er seine Kreise beschreibt, ist die subtile Wirbelsäule. Die Mystiker messen diesem Kanal große Bedeutung bei. Sie nennen ihn die Schlange; sie stellen ihn sich als eine Schlange vor, die ihren Schwanz im Mund hält. In den Begriffen der Yogis wird sie Kundalini genannt.“
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas Part IV: Pasi Anfas: Breath, Gatha I, The Channel of the Breath.
Pir Vilayat sagt, dass das Lebensfeld in gewisser Hinsicht wie ein Wirbel ist, und da das Zentrum eines Wirbels ein Vakuum ist, kann man davon ausgehen, dass die Energie, die in einem der Seitenkanäle des Rückenmarks auf und absteigt, in die Richtung des zentralen Kanals angesaugt wird und sich daher spiralförmig nach oben oder unten bewegt. Dadurch werden Verbindungen zwischen den Nervenübertragungen in den Seitenkanälen mit dem Zentralkanal hergestellt, d.h. zwischen dem autonomen und dem zentralen Nervensystem des Körpers und somit der unbewussten und bewussten Funktionen der Psyche.
Diese Verbindungen finden an den Kreuzungspunkten statt, an denen sich die Spiralen mit einer gemeinsamen Achse kreuzen. Dort befinden sich die Chakren. Diese sind mehr als nur physische Punkte, sie sind energetische Zentren, konzentrierte Energie. Besondere Betonung liegt auf den beiden Enden dieser energetischen Spirale: dem Muladhara, einem Punkt am unteren Ende der Wirbelsäule, also der Wurzel, und dem Ort, an dem die Spirale an einem Punkt im Gehirn kulminiert, der von den Yogis Bindu genannt wird. Der letztgenannte Punkt entspricht dem Knotenpunkt, an dem die Hypophyse mit dem Hypothalamus verbunden ist. Dies ist vielleicht der wichtigste Kreuzungspunkt im Körper, und er verbindet das zentrale Nervensystem mit dem autonomen.
Der Verlauf dieser Ströme im Lebensfeld weist eine große Ähnlichkeit mit dem Caduceus auf, einem Symbol, das von den Griechen für die Medizin verwendet wurde.
„Wisse, dass im Menschen zuerst der Kanal namens Sushumna entstand. Dann kamen die Kanäle namens Ida und Pingala. Der Sushumna‑Kanal saugt den Atem von unterhalb des Nabels an, und seine Wurzel befindet sich in der Mitte unterhalb der Genitalien. Von dort steigt er nach oben. Ida und Pingala sind die Kanäle rechts und links der Sushumna. Wann immer der Suchende einen Atemzug aus dem Nabel tut, kommt dieser aus der Sushumna. Von dort gelangt er zum Herzen.“
Quelle
Khwaja Muinuddin Chishti
Mystiker betrachten den ganzen Körper als Atempflanze. Den Ärzten zufolge sind die Lungen die Kanäle des Atems, für Mystiker jedoch sind sie Äste eines Baumes, und zusammen mit anderen Zweigen erreichen sie alle Teile des Körpers. Diese Zweige wurden von den Mystikern mit verschiedenen Namen bezeichnet. Auch Nadi ist ein solcher Name, was soviel bedeutet wie Kanal. Wenn der zentrale Kanal der Wirbelsäule durch Atemtechnik gereinigt wird, hilft das nicht nur unserer körperlichen Gesundheit, sondern öffnet auch die innere Intuitionsfähigkeit. Das wahre Glück des Menschen liegt darin, die inneren Pforten zu öffnen. Um diesen Kanal von allen Blockaden zu befreien, folgen wir der Anleitung der mystischen Waschungen und der rhythmischen Atmung.
Sobald der Atem diese Zentren berührt, versetzt er sie in Schwingung, so dass sie lebendig werden. Jedes Chakra ist ein Speicher körperlicher und psychischer Ener‑gien. Die von den Elementen beeinflusste Energie bewegt sich durch die Chakren und erzeugt verschiedene psychische Zustände, Bedürfnisse und Stimmungen. Chakren sind Verbindungspunkte zwischen dem physischen Körper, dem endo‑krinen System, dem Äther‑ und dem Astralkörper.
Die mit den Chakren verbundenen körperlichen Bereiche sind nur die Standorte der zugehörigen Sinnes und Arbeitsorgane. Die Chakren selbst stehen mit der Energiequelle in Verbindung, die Leben (Prana und die Elemente) in die Zellkör‑per einbringt. Die Bedürfnisse des ersten Chakras sind nicht die Bedürfnisse der Analregion.
Wir werden in uns jedes Chakra identifizieren, indem wir in es hineinatmen und seine jeweilige Qualität, Farbe, seinen Eigengeschmack und sein Erleben in den Vordergrund treten lassen. Auf diese Weise machen wir uns mit unserem subtilen Chakrenkörper vertraut.
Sitzen Sie in einer bequemen Position. Halten Sie die Wirbelsäule aufrecht, damit die Energie frei durch sie fließen kann. Nehmen Sie ein paar tiefe Atemzüge, um mit der Wirkung Ihres Atems auf Ihr Wesen in Kontakt zu kommen.
Kommen wir zum ersten Chakra, der grundlegenden Stütze eines Individuums, daher der Name Muladhara. Murshid sagt, der Lotus, von dem die Mystiker des Ostens sprechen, ist die Wurzel des menschlichen Körpers. Hier liegt das Luz oder der Same der Wirbelsäule, der der Samen des Auferstehungskörpers ist. Konzentrieren Sie sich auf das Steißbein und atmen Sie in dieses Zentrum ein und aus. Wir wissend, dass hier die Form des Körpers angelegt wird. Es stellt die Schablone für den physischen Körper bereit. Der Körper kann durch die aktive Mitwirkung dieses energetischen Zentrums geformt und umgestaltet werden. Stellen Sie sich tiefen, erdigen Rotton vor. Während Sie in dieses Zentrum ein‑ und ausatmen, lassen Sie diese Farbe sichtbar werden und sich um dieses Zentrum herum ausbreiten. Die mit diesem Zentrum verbundenen Qualitäten sind Stabilität, Sicherheit, Erdung, Zugehörigkeit und Zusammenhalt. Ein ausreichend entwickeltes erstes Chakra verleiht Körperkraft, Muskelkraft, Ausdauer, Selbstdisziplin und Geduld. Es gibt uns die Fähigkeit, unsere eigene Negativität und die anderer zu filtern. Konzentrieren Sie sich auf das Steißbein im Fikr von Ya Fattah. Das unterstützt die allgemeine Körpergestaltung. Das mit ihm verbundene Element ist die Erde. (Obwohl wir manchmal ein Wazifa einsetzen, um uns auf ein bestimmtes subtiles Zentrum zu konzentrieren, wird das Zentrum nicht durch das Wazifa definiert.)
Das zweite Chakra ist das Svadhisthana (Beckenchakra), was so viel bedeutet wie "Wohnsitz des Selbst" und ist die Grundlage für unsere Geburt als Mensch. Es ist mit unserem unterbewussten Speicher latenter Eindrücke verbunden, die im Sanskrit Samskaras genannt werden. Ohne diese Saat des Verlangens würden wir niemals als Menschen inkarnieren. Es ist der Sitz von instinktiven Trieben und Begierden. Dieses Chakra ist mit dem Bedürfnis verbunden, Vergnügen und Aufregung durch Sinnesreize und sexuelle Kontakte zu erleben. Es beurteilt die Welt danach, wie viel Vergnügen sie bereiten kann. Gleichzeitig ist es ein Zentrum, das eine große persönliche Anziehungskraft erzeugt, Raum für Kreativität bietet und unsere Eindrücke aus der physischen, emotionalen und mentalen Ebene verarbeitet. Das mit ihm verbundene Element ist das Wasser. Seine Farbe ist Orange. Die mit ihm verbundenen Organe sind die Geschlechtsorgane und die Nieren. Es hat die zweifache Fähigkeit, uns sowohl in der Welt der Sinneserfahrung zu halten als auch, auf die höhere Ebene des intellektuellen Werdens zu schieben. Körperlich treibt es Verdauungs‑, Kreislauf‑ und Fortpflanzungsfunktionen an und reguliert auch das Immunsystem. Es beflügelt unseren Triebkörper und kann auch unsere Kreativität fördern. Atmen Sie hinein und stellen Sie sich die Farbe Orange vor. Atmen Sie direkt in den Beckenbereich, während Sie im Fikr von Allah/Khaliq (Göttliche Schöpfung) verweilen.
Das dritte Chakra ist das Manipura (Nabelchakra), was soviel bedeutet wie die Stadt der strahlenden Juwelen. Es ist der Knotenpunkt eines unglaublich komplexen Netzwerks von Nadis (energetischen Kanälen), die Pranaenergie durch den ganzen Körper leiten und die Körperfunktionen kontrollieren. Es ist ein wichtiger Speicher für Lebensenergie. Es ist das Zentrum der Selbstbehauptung und Selbstbeherr‑schung. Sein Element ist das Feuer. Die Farbe ist gelb. Hier erwacht das persönli‑che spirituelle Bewusstsein. Es ist die Basis für unser rationales und logisches Denken. Es nimmt den Platz der Sonne in unserem Körper ein und verteilt Vitalität an alle Teile unseres Wesens. Es fördert die Verdauung und Aufnahme von Nah‑rung, nicht nur physischer, sondern auch psychischer und intellektueller Nahrung. Es ist das Zentrum für die Entwicklung des Egos. Atmen Sie hinein und lassen Sie die Farbe Gelb auftauchen. Pir Vilayat sagte, die Konzentration auf das Hara bringe die medullären und kortikalen Drüsen (das Ego und seine Aggressivität) ins Gleichgewicht. Erlauben Sie ihm, ein gelbes Licht auszustrahlen. Man kann La ilaha einatmen und Ilallah ausatmen. (In den meisten Chakrensystemen wird es am So‑larplexus und manchmal am Nabel lokalisiert).
Die vierte ist das Anahata (Herzchakra), was soviel bedeutet wie der unangeschla‑gene Ton. Es ist das Zentrum des menschlichen Bewusstseins. Es gilt als das beste Chakra für die Meditation, weil es die Emotionen klärt und in intensive Hingabe verwandelt. Es ermöglicht uns, andere bedingungslos anzunehmen und zu lieben. Jeder Mensch wird als eine einzigartige Verkörperung der Vollkommenheit be‑trachtet, die entsprechend der eigenen Natur handelt. Es ist das Tor zu einem höhe‑ren Bewusstsein und der Schlüssel zu spiritueller Unterscheidungsfähigkeit. Sein Element ist die Luft. Die Farbe ist Gold oder Goldgrün. Es verleiht uns die Kontrol‑le über unser Tun und unsere Sinnesorgane und macht uns zu Meistern unserer selbst. Konzentrieren Sie sich auf das Herz, während Sie im Fikr von Ya Wahabo Ya Fazl verweilen. Es bringt uns der Erleuchtung näher.
Das fünfte oder Vishuddha‑Chakra ist das Halschakra. Es bedeutet Vervollkommnung oder Läuterung. Es ist das Zentrum, das alle Gegensätze bereinigt und harmonisiert und Gleichgewicht, Verständnis und Vollkommenheit hervorbringt. Dies ist die Stufe des Gewahrseins, auf der alle Erfahrungen ohne Beurteilung willkommen geheißen werden. Anstatt negativen Erfahrungen zu trotzen, lassen wir los und entspannen uns, indem wir alle Umstände akzeptieren. Seine Farbe ist grün und das Element ist Äther. Es ist das Zentrum der Kommunikation und Kreativität. Gesprochene Worte bringen die Emotionen des Herzens zum Ausdruck. Die Konzentration darauf erhöht die Funktion der Schilddrüse. Wir können das wazifa Quddus (Das Heilige, das Erhabene, Reine) intonieren.
Das sechste Chakra ist das Ajna‑Chakra (Augenbrauen‑Chakra) und bedeutet Be‑fehlsgewalt, Kontrolle. Es ist das Zentrum der Weisheit, des höheren Bewusstseins und der Selbsbestimmung. Es entwickelt Intuition, Einsicht und übersinnliche Wahrnehmung. Es ist das Zentrum der Telepathie. Der mittelalterliche Mystiker Meister Eckhart sagte: "Das Auge, mit dem ich den Höchsten sehe, ist dasselbe, mit dem er mich sieht.“ Ajna ist der Sitz des gereinigten subtilen Intellekts, und wenn es sich öffnet, verschwindet jede Wankelmütigkeit des Denkens. Der Verstand wird zu einem perfekten Instrument der Unterscheidungsfähigkeit. Hier verschmelzen Ida, Pingala and Sushumna Von hier aus steigt die Sushumna allein in das Sahasrara hinauf. Hier sind wir über das Bewusstsein der Elemente hinausgegangen. Die Farbe ist Indigo. Die damit verbundenen Bereiche sind die beiden Augen und die beiden Gehirnhälften, die Hypophyse. Der Fokus ist zwischen den Augen beim Intonieren von Aleem (Allwissend).
Das siebte ist das Sahasrara‑Chakra (Kronenchakra). Es bedeutet tausendfach und ist das Symbol für das Bewusstsein der Universalität. Es vermittelt ein Bewusstsein des Einheitsbewusstseins, der Totalität, des unbeschreibbaren Unendlichen. In diesem Stadium sind die Erfahrung, der Erfahrende und das Erfahrene ein‑ und dasselbe. Deshalb transzendiert sie die Erlebniswelt. Subjekt und Objekt verschmelzen in der Ganzheit. Die Farbe ist weiß. Verbundene Funktionen im Körper sind das Gehirn und der ganze Körper, die Zirbeldrüse. Sie ist der Schnittpunkt zwischen menschlicher und göttlicher Entwicklung. Konzentrieren Sie sich auf die Krone, indem Sie Nur (göttliches Licht) intonieren. Erleben Sie ein Gefühl von Frieden und unendlicher Gelassenheit.
SEMINAR II
Übungen zur Lenkung des Atems um zu heilen
Chakras ‑ Systeme und Übereinstimmungen
Werkzeuge um gut zu leben
Fünf Magnetismen
Die Anatomie des jism e latif oder des subtilen Körpers in der Mystik der Inayatiyya.
Wie es verschiedene Sinnesorgane gibt, so gibt es auch die Zentren der inneren Wahrnehmung. Die Zentren kann man mit dem Raum im Innern eines Apfels vergleichen. Er ist ein Akasha, ein Ort, an dem nicht nur Geruch, Berührung, Sehen und Hören wahrgenommen werden, sondern sogar Gedanken und Gefühle eines anderen, wo die Atmosphäre, die Freude und der Unmut der Mitmenschen aufgenommen werden. Und wenn die Wahrnehmung schärfer wird, können sogar Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erkannt werden. Können wir das noch nicht wahrnehmen, so bedeutet das nicht, dass die Erfahrung der eigenen Natur fremd ist, sondern einfach, dass wir für diese Wahrnehmung noch nicht erwacht ist.
Diese Zentren können durch bestimmte Nahrungsmittel und materielle Genüsse blockiert werden. Sie befinden sich an Orten, wie es einige Pflanzen in Berghöhlen tun, wo die Sonne sie nicht erreicht und die Luft sie nicht berührt, so dass es für die Pflanzen schwierig ist, dort zu überleben. Dasselbe gilt für diese subtilen Zentren der Wahrnehmung. Der physische Körper erhält Nahrung aus dem Essen, diese Zentren bleiben jedoch solange ohne Nahrung, bis der feine lebendige Atemstrom auf sie gerichtet wird. Diese feine Substanz, die für das physische Sehen nicht sichtbar ist, wird von den Mystikern als Nur bezeichnet.
Der Körper verlangt nicht nur nach Nahrung, sondern auch nach einem entwickelten Atem, mit anderen Worten nach Schwingung. Diese Schwingung wird ihm durch die Rezitation heiliger Worte vermittelt. Die Klänge und Vokale und die Zusammensetzung der heiligen Worte sind chemisch, diese Art der Chemie wird von den Mystikern Alchemie genannt. Die Zentren sind die Akashas oder Kuppeln unseres Seins, in denen jeder Klang sein Echo hat, und das Echo, das einmal in einer Akasha erzeugt wird, erreicht alle anderen inneren und äußeren Akashas. Die Rezitation eines heiligen Wortes hat also nicht nur eine persönliche Tragweite, sondern sie breitet sich höher und weiter aus, als wir uns das vorstellen können; sogar weiter, als Menschen überhaupt wahrnehmen können.
Insgesamt setzt sich der feinstoffliche Körper aus unzähligen Kanälen (Nadis) zusammen, durch die der subtile Atem fließt. Der Kanal, der sich im Rückenmark (Sushumna) von der Wurzel des Körpers bis zum Scheitel erhebt, ist die zentrale Achse, um die sich alle Seitenkanäle drehen. Direkt daneben verlaufen der linke Seitenkanal (Ida) und der rechte Seitenkanal (Pingala), die an jedem Plexus zusammen und wieder auseinanderlaufen.
„Der Atem kreist durch den Körper, und der Kanal, durch den er seine Kreise beschreibt, ist die subtile Wirbelsäule. Die Mystiker messen diesem Kanal große Bedeutung bei. Sie nennen ihn die Schlange; sie stellen ihn sich als eine Schlange vor, die ihren Schwanz im Mund hält. In den Begriffen der Yogis wird sie Kundalini genannt.“
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas Part IV: Pasi Anfas: Breath, Gatha I, The Channel of the Breath.
Pir Vilayat sagt, dass das Lebensfeld in gewisser Hinsicht wie ein Wirbel ist, und da das Zentrum eines Wirbels ein Vakuum ist, kann man davon ausgehen, dass die Energie, die in einem der Seitenkanäle des Rückenmarks auf und absteigt, in die Richtung des zentralen Kanals angesaugt wird und sich daher spiralförmig nach oben oder unten bewegt. Dadurch werden Verbindungen zwischen den Nervenübertragungen in den Seitenkanälen mit dem Zentralkanal hergestellt, d.h. zwischen dem autonomen und dem zentralen Nervensystem des Körpers und somit der unbewussten und bewussten Funktionen der Psyche.
Diese Verbindungen finden an den Kreuzungspunkten statt, an denen sich die Spiralen mit einer gemeinsamen Achse kreuzen. Dort befinden sich die Chakren. Diese sind mehr als nur physische Punkte, sie sind energetische Zentren, konzentrierte Energie. Besondere Betonung liegt auf den beiden Enden dieser energetischen Spirale: dem Muladhara, einem Punkt am unteren Ende der Wirbelsäule, also der Wurzel, und dem Ort, an dem die Spirale an einem Punkt im Gehirn kulminiert, der von den Yogis Bindu genannt wird. Der letztgenannte Punkt entspricht dem Knotenpunkt, an dem die Hypophyse mit dem Hypothalamus verbunden ist. Dies ist vielleicht der wichtigste Kreuzungspunkt im Körper, und er verbindet das zentrale Nervensystem mit dem autonomen.
Der Verlauf dieser Ströme im Lebensfeld weist eine große Ähnlichkeit mit dem Caduceus auf, einem Symbol, das von den Griechen für die Medizin verwendet wurde.
„Wisse, dass im Menschen zuerst der Kanal namens Sushumna entstand. Dann kamen die Kanäle namens Ida und Pingala. Der Sushumna‑Kanal saugt den Atem von unterhalb des Nabels an, und seine Wurzel befindet sich in der Mitte unterhalb der Genitalien. Von dort steigt er nach oben. Ida und Pingala sind die Kanäle rechts und links der Sushumna. Wann immer der Suchende einen Atemzug aus dem Nabel tut, kommt dieser aus der Sushumna. Von dort gelangt er zum Herzen.“
Quelle
Khwaja Muinuddin Chishti
Mystiker betrachten den ganzen Körper als Atempflanze. Den Ärzten zufolge sind die Lungen die Kanäle des Atems, für Mystiker jedoch sind sie Äste eines Baumes, und zusammen mit anderen Zweigen erreichen sie alle Teile des Körpers. Diese Zweige wurden von den Mystikern mit verschiedenen Namen bezeichnet. Auch Nadi ist ein solcher Name, was soviel bedeutet wie Kanal. Wenn der zentrale Kanal der Wirbelsäule durch Atemtechnik gereinigt wird, hilft das nicht nur unserer körperlichen Gesundheit, sondern öffnet auch die innere Intuitionsfähigkeit. Das wahre Glück des Menschen liegt darin, die inneren Pforten zu öffnen. Um diesen Kanal von allen Blockaden zu befreien, folgen wir der Anleitung der mystischen Waschungen und der rhythmischen Atmung.
Sobald der Atem diese Zentren berührt, versetzt er sie in Schwingung, so dass sie lebendig werden. Jedes Chakra ist ein Speicher körperlicher und psychischer Ener‑gien. Die von den Elementen beeinflusste Energie bewegt sich durch die Chakren und erzeugt verschiedene psychische Zustände, Bedürfnisse und Stimmungen. Chakren sind Verbindungspunkte zwischen dem physischen Körper, dem endo‑krinen System, dem Äther‑ und dem Astralkörper.
Die mit den Chakren verbundenen körperlichen Bereiche sind nur die Standorte der zugehörigen Sinnes und Arbeitsorgane. Die Chakren selbst stehen mit der Energiequelle in Verbindung, die Leben (Prana und die Elemente) in die Zellkör‑per einbringt. Die Bedürfnisse des ersten Chakras sind nicht die Bedürfnisse der Analregion.
Wir werden in uns jedes Chakra identifizieren, indem wir in es hineinatmen und seine jeweilige Qualität, Farbe, seinen Eigengeschmack und sein Erleben in den Vordergrund treten lassen. Auf diese Weise machen wir uns mit unserem subtilen Chakrenkörper vertraut.
Sitzen Sie in einer bequemen Position. Halten Sie die Wirbelsäule aufrecht, damit die Energie frei durch sie fließen kann. Nehmen Sie ein paar tiefe Atemzüge, um mit der Wirkung Ihres Atems auf Ihr Wesen in Kontakt zu kommen.
Kommen wir zum ersten Chakra, der grundlegenden Stütze eines Individuums, daher der Name Muladhara. Murshid sagt, der Lotus, von dem die Mystiker des Ostens sprechen, ist die Wurzel des menschlichen Körpers. Hier liegt das Luz oder der Same der Wirbelsäule, der der Samen des Auferstehungskörpers ist. Konzentrieren Sie sich auf das Steißbein und atmen Sie in dieses Zentrum ein und aus. Wir wissend, dass hier die Form des Körpers angelegt wird. Es stellt die Schablone für den physischen Körper bereit. Der Körper kann durch die aktive Mitwirkung dieses energetischen Zentrums geformt und umgestaltet werden. Stellen Sie sich tiefen, erdigen Rotton vor. Während Sie in dieses Zentrum ein‑ und ausatmen, lassen Sie diese Farbe sichtbar werden und sich um dieses Zentrum herum ausbreiten. Die mit diesem Zentrum verbundenen Qualitäten sind Stabilität, Sicherheit, Erdung, Zugehörigkeit und Zusammenhalt. Ein ausreichend entwickeltes erstes Chakra verleiht Körperkraft, Muskelkraft, Ausdauer, Selbstdisziplin und Geduld. Es gibt uns die Fähigkeit, unsere eigene Negativität und die anderer zu filtern. Konzentrieren Sie sich auf das Steißbein im Fikr von Ya Fattah. Das unterstützt die allgemeine Körpergestaltung. Das mit ihm verbundene Element ist die Erde. (Obwohl wir manchmal ein Wazifa einsetzen, um uns auf ein bestimmtes subtiles Zentrum zu konzentrieren, wird das Zentrum nicht durch das Wazifa definiert.)
Das zweite Chakra ist das Svadhisthana (Beckenchakra), was so viel bedeutet wie "Wohnsitz des Selbst" und ist die Grundlage für unsere Geburt als Mensch. Es ist mit unserem unterbewussten Speicher latenter Eindrücke verbunden, die im Sanskrit Samskaras genannt werden. Ohne diese Saat des Verlangens würden wir niemals als Menschen inkarnieren. Es ist der Sitz von instinktiven Trieben und Begierden. Dieses Chakra ist mit dem Bedürfnis verbunden, Vergnügen und Aufregung durch Sinnesreize und sexuelle Kontakte zu erleben. Es beurteilt die Welt danach, wie viel Vergnügen sie bereiten kann. Gleichzeitig ist es ein Zentrum, das eine große persönliche Anziehungskraft erzeugt, Raum für Kreativität bietet und unsere Eindrücke aus der physischen, emotionalen und mentalen Ebene verarbeitet. Das mit ihm verbundene Element ist das Wasser. Seine Farbe ist Orange. Die mit ihm verbundenen Organe sind die Geschlechtsorgane und die Nieren. Es hat die zweifache Fähigkeit, uns sowohl in der Welt der Sinneserfahrung zu halten als auch, auf die höhere Ebene des intellektuellen Werdens zu schieben. Körperlich treibt es Verdauungs‑, Kreislauf‑ und Fortpflanzungsfunktionen an und reguliert auch das Immunsystem. Es beflügelt unseren Triebkörper und kann auch unsere Kreativität fördern. Atmen Sie hinein und stellen Sie sich die Farbe Orange vor. Atmen Sie direkt in den Beckenbereich, während Sie im Fikr von Allah/Khaliq (Göttliche Schöpfung) verweilen.
Das dritte Chakra ist das Manipura (Nabelchakra), was soviel bedeutet wie die Stadt der strahlenden Juwelen. Es ist der Knotenpunkt eines unglaublich komplexen Netzwerks von Nadis (energetischen Kanälen), die Pranaenergie durch den ganzen Körper leiten und die Körperfunktionen kontrollieren. Es ist ein wichtiger Speicher für Lebensenergie. Es ist das Zentrum der Selbstbehauptung und Selbstbeherr‑schung. Sein Element ist das Feuer. Die Farbe ist gelb. Hier erwacht das persönli‑che spirituelle Bewusstsein. Es ist die Basis für unser rationales und logisches Denken. Es nimmt den Platz der Sonne in unserem Körper ein und verteilt Vitalität an alle Teile unseres Wesens. Es fördert die Verdauung und Aufnahme von Nah‑rung, nicht nur physischer, sondern auch psychischer und intellektueller Nahrung. Es ist das Zentrum für die Entwicklung des Egos. Atmen Sie hinein und lassen Sie die Farbe Gelb auftauchen. Pir Vilayat sagte, die Konzentration auf das Hara bringe die medullären und kortikalen Drüsen (das Ego und seine Aggressivität) ins Gleichgewicht. Erlauben Sie ihm, ein gelbes Licht auszustrahlen. Man kann La ilaha einatmen und Ilallah ausatmen. (In den meisten Chakrensystemen wird es am So‑larplexus und manchmal am Nabel lokalisiert).
Die vierte ist das Anahata (Herzchakra), was soviel bedeutet wie der unangeschla‑gene Ton. Es ist das Zentrum des menschlichen Bewusstseins. Es gilt als das beste Chakra für die Meditation, weil es die Emotionen klärt und in intensive Hingabe verwandelt. Es ermöglicht uns, andere bedingungslos anzunehmen und zu lieben. Jeder Mensch wird als eine einzigartige Verkörperung der Vollkommenheit be‑trachtet, die entsprechend der eigenen Natur handelt. Es ist das Tor zu einem höhe‑ren Bewusstsein und der Schlüssel zu spiritueller Unterscheidungsfähigkeit. Sein Element ist die Luft. Die Farbe ist Gold oder Goldgrün. Es verleiht uns die Kontrol‑le über unser Tun und unsere Sinnesorgane und macht uns zu Meistern unserer selbst. Konzentrieren Sie sich auf das Herz, während Sie im Fikr von Ya Wahabo Ya Fazl verweilen. Es bringt uns der Erleuchtung näher.
Das fünfte oder Vishuddha‑Chakra ist das Halschakra. Es bedeutet Vervollkommnung oder Läuterung. Es ist das Zentrum, das alle Gegensätze bereinigt und harmonisiert und Gleichgewicht, Verständnis und Vollkommenheit hervorbringt. Dies ist die Stufe des Gewahrseins, auf der alle Erfahrungen ohne Beurteilung willkommen geheißen werden. Anstatt negativen Erfahrungen zu trotzen, lassen wir los und entspannen uns, indem wir alle Umstände akzeptieren. Seine Farbe ist grün und das Element ist Äther. Es ist das Zentrum der Kommunikation und Kreativität. Gesprochene Worte bringen die Emotionen des Herzens zum Ausdruck. Die Konzentration darauf erhöht die Funktion der Schilddrüse. Wir können das wazifa Quddus (Das Heilige, das Erhabene, Reine) intonieren.
Das sechste Chakra ist das Ajna‑Chakra (Augenbrauen‑Chakra) und bedeutet Be‑fehlsgewalt, Kontrolle. Es ist das Zentrum der Weisheit, des höheren Bewusstseins und der Selbsbestimmung. Es entwickelt Intuition, Einsicht und übersinnliche Wahrnehmung. Es ist das Zentrum der Telepathie. Der mittelalterliche Mystiker Meister Eckhart sagte: "Das Auge, mit dem ich den Höchsten sehe, ist dasselbe, mit dem er mich sieht.“ Ajna ist der Sitz des gereinigten subtilen Intellekts, und wenn es sich öffnet, verschwindet jede Wankelmütigkeit des Denkens. Der Verstand wird zu einem perfekten Instrument der Unterscheidungsfähigkeit. Hier verschmelzen Ida, Pingala and Sushumna Von hier aus steigt die Sushumna allein in das Sahasrara hinauf. Hier sind wir über das Bewusstsein der Elemente hinausgegangen. Die Farbe ist Indigo. Die damit verbundenen Bereiche sind die beiden Augen und die beiden Gehirnhälften, die Hypophyse. Der Fokus ist zwischen den Augen beim Intonieren von Aleem (Allwissend).
Das siebte ist das Sahasrara‑Chakra (Kronenchakra). Es bedeutet tausendfach und ist das Symbol für das Bewusstsein der Universalität. Es vermittelt ein Bewusstsein des Einheitsbewusstseins, der Totalität, des unbeschreibbaren Unendlichen. In diesem Stadium sind die Erfahrung, der Erfahrende und das Erfahrene ein‑ und dasselbe. Deshalb transzendiert sie die Erlebniswelt. Subjekt und Objekt verschmelzen in der Ganzheit. Die Farbe ist weiß. Verbundene Funktionen im Körper sind das Gehirn und der ganze Körper, die Zirbeldrüse. Sie ist der Schnittpunkt zwischen menschlicher und göttlicher Entwicklung. Konzentrieren Sie sich auf die Krone, indem Sie Nur (göttliches Licht) intonieren. Erleben Sie ein Gefühl von Frieden und unendlicher Gelassenheit.
